Ratgeber

Software für Schreiner in der Schweiz: Worauf 2026 wirklich ankommt

Schweizer Schreinermeister haben spezifische Software-Anforderungen: Aufmass beim Kunden, Material-Kalkulation für Massivholz, Beschläge und Lacke, Saldosteuersatz 5.3% oder 4.5%, Lehrlings-Stundenerfassung.

Was Schreiner-Betriebe spezifisch brauchen

1. Aufmass mit Skizze und Voice

Beim Kunden vor Ort werden Masse, Wand-Beschaffenheit, Anschluss-Details und Beobachtungen erfasst. Klassisch geht das mit Notizblock und Kamera, modern mit Tablet-Skizze plus Voice-Notiz. Eine Software, die beide Eingabe-Modi mischt, macht den Aufmass-Termin deutlich schneller.

2. Material-Kalkulation für Holz und Beschläge

Schreinerei-Material ist heterogen: Massivholz nach Kubik-Inhalt, Plattenwerkstoffe nach Quadratmeter, Beschläge nach Stück, Lacke nach Liter. Software muss diese Einheiten sauber unterstützen und aus Lieferanten-Katalogen (Häfele, Hettich, Blum) Artikel mit aktuellen Preisen importieren.

3. Lehrlings-Stunden ArG-konform

Schreiner-Mikrobetriebe haben oft 1-2 Lehrlinge, und sind damit ArG-pflichtig für detaillierte Zeiterfassung. Software mit Mehrbenutzer-Modell und Voice-Stundenrapport macht das einfach: der Lehrling spricht seine Stunden selber ein, der Meister gibt am Wochenende frei. Automatischer Audit-Trail erfüllt Art. 958f OR (10-Jahres-Aufbewahrung).

Was sekundär wichtig ist

  • Sonderpositionen getrennt verrechnen: Anlieferung, Montage, Sichtbare Schnittkanten, Spezial-Beschläge, als eigene Offerten-Positionen, nicht als Sammel-Posten
  • Foto-Dokumentation: Vorher-Aufmass mit Skizze, Nachher-Aufnahmen für Marketing und Referenz
  • Garantie-Verwaltung: Mängelrechte verjähren je nach Werk nach 2 Jahren (Möbel) oder 5 Jahren (Einbauten, OR Art. 371) und müssen pro Auftrag dokumentiert sein, sonst gibt es Streit bei Mängel-Rügen Jahre später
  • QR-Rechnung mit Akontozahlungen: bei grösseren Möbel-Anfertigungen oft 30/30/40-Aufteilung, Software muss Akonto-Rechnungen sauber abbilden

Wettbewerbs-Übersicht

Häufige Fragen

  • Was ist der Saldosatz für Schreinereien?

    Die ESTV unterscheidet je nach Tätigkeitsschwerpunkt: 5.3% bei Schreinereien mit überwiegend Material (z.B. Möbel-Anfertigung mit hohem Holz-Anteil), 4.5% bei überwiegend Arbeit (z.B. Service, Reparaturen, Renovationen). Die Zuteilung erfolgt mit der ESTV-Anmeldung.

  • Wie funktioniert Aufmass beim Kunden für Möbel-Anfertigung?

    Beim Aufmass-Termin werden Raum-Masse, Wand-Beschaffenheit und Anschluss-Details erfasst. Eine moderne Software bietet Skizzier-Funktion auf dem Tablet plus Voice-Notiz für Kommentare. Aus den Massen wird automatisch eine erste Material-Kalkulation generiert.

  • Wie erfasse ich Lehrlings-Stunden ArG-konform?

    Lehrlinge sind Arbeitnehmende und unterliegen dem ArG. Stunden müssen pro Tag mit Beginn, Ende und Pausen dokumentiert werden (Art. 73 ArGV 1, detaillierte Erfassung). Software mit Mehrbenutzer-Erfassung erlaubt es dem Lehrling, selber zu rapportieren, der Meister gibt am Wochenende frei.

  • Was kostet Schreinerei-Software typischerweise?

    Solo-Schreinermeister: CHF 30-60/Monat. Mikro (2-5 MA): CHF 100-200/Monat. Klein (6-10 MA): CHF 200-350/Monat. Spezial-Software für CAD-Konstruktion (HSB Cad, NewCad) liegt deutlich höher (CHF 200-500/Monat plus Lizenzen).